Ein musikalischer Vortrag mit einer überraschenden Wendung

Zum Trost mit Luther

Die Reformation wird auf das Jahr 1517 datiert, aber um 1520 begann Martin Luther, die breite Öffentlichkeit aktiv mit dem „neuen Glauben“ zu erreichen. Man musste keine Ablassbriefe mehr kaufen, um Trost für die Seele zu finden, denn der „Glaube allein“ reichte aus. Aber das schuf auch Unsicherheit, denn wie soll man das machen? Und wann glaubt man stark genug? In seiner Liedreihe von 1524 beschreibt Luther auf vielfältige Weise, wie der Mensch diesen Trost des Glaubens finden kann. Schließlich war er auch der Erfinder des Wortes „Seelsorge“. Tatsächlich fürchteten seine Gegner die Kraft seiner Lieder manchmal mehr als seine Bücher und Kampfschriften.

Zum Kirchenlied bei Bach
Genau 200 Jahre später wurde viel darüber diskutiert, ob die alten Lieder Luthers und seiner Zeitgenossen noch gebraucht wurden. Schließlich wurden die manchmal etwas veraltete Sprache und die kompakte Poesie nicht mehr immer gut verstanden. Außerdem entstanden religiöse Bewegungen, die anders über Frömmigkeit dachten. Die rechtgläubigen lutherischen Theologen wollten sie unbedingt bewahren, gerade wegen ihres Trostwertes. Sie nannten sich die „Lieder-Freunde“ und dachten: Wenn die Menschen die alten Lieder nicht mehr richtig verstehen, sollten wir sie nicht wegwerfen, sondern besser erklären! Und hier kam Bachs Rolle ins Spiel, denn genau aus diesem Grund gab Bach 1724 den Jubelliedern mit seinen schönen Choralkantaten neuen Glanz.

Es gibt viel Faszinierendes über Luthers Lieder und Bachs Choralkantaten zu erzählen, aber noch besser ist es, auch selbst zu erleben, wie die Menschen 1524 und 1724 durch die Lieder und Kantaten Trost (wieder)entdeckten.

In diesem musikalischen Vortrag nehmen zwei Damen, die hinter den Kulissen der Lieder-Freunde eine wichtige Rolle spielten, Sie mit ins Jahr 1724. Dorothea Schamelius und Anna Magdalena Bach verbinden die Geschichte der Lieder und Choralkantaten mit dem gemeinsamen Singen (auch für weniger geübte Sängerinnen und Sänger). Alle Informationen sind rein wissenschaftlicher Herkunft, bis auf die eine Wendung, die wir in der Geschichte versteckt haben (siehe auch die Synopsis unten).

Über die Interpreten:

Lydia Vroegindeweij forschte in ihrer Doktorarbeit über den Trost in Luthers Liedern und die Ursprünge von Bachs Choralkantaten und wird die Teilnehmer durch diese faszinierende Geschichte führen.

Paula Bär-Giese ist Sopranistin und Pianistin. Sie illustriert den Vortrag mit Musik und begleitet das Publikum beim gemeinsamen Singen eines Chorals.

Kommentare von Besuchern:

  • „Wir haben uns letzten Montag sehr gut amüsiert!“
  • „Es hat großen Spaß gemacht, dabei zu sein! Wunderbare Musik und interessant, mehr über die Geschichte der Lieder zu erfahren!“

Buchen Sie diese Aufführung in Ihrem Haus?

Spieltermine:

  • Die Premiere dieses Vortrags/Workshops/Performance fand am Montagabend, 8. April 2024, im Luther Museum in Amsterdam statt.
  • 5. November 2024, 16 Uhr im Amersfoortse Zwaan / Lutherische Kirche Amersfoort.

 

Buchungen:
Dieser musikalische Vortrag kann in den Jahren 2024 und 2025 (bis Mai) gebucht werden. Ein gutes Klavier oder ein Flügel muss im Saal vorhanden sein.
Zwei Varianten sind möglich:

  • a. Vortrag mit Musik, wobei das Publikum nur den Schlusschoral mitsingt. Dauer: etwa 60 Minuten.
  • b. Vortrag mit Musik, wobei die Zuhörer bei mehreren Liedern mitsingen. Dauer: ca. 80 Minuten.

 

Für weitere Informationen und Buchungen wenden Sie sich bitte an Lydia Vroegindeweij.

Synopsis

Es ist Frühling 1724. Johann Sebastian Bach ist nun seit fast einem Jahr in Leipzig tätig und hat überzeugend ein Jahrgang von Kantaten vorgelegt, ein etwa 18-minütiges Musikstück für jede Woche, in dem Bibeltexte für die Gottesdienstbesucher musikalisch verdeutlicht wurden, mit Rezitativen und Arien – eine Form, die auch in der Oper bekannt war -, und meist mit einer Strophe aus einem bekannten Kirchenlied abgeschlossen. Der lutherische Leseplan erstreckt sich über ein Jahr, so dass im zweiten Jahr jeden Sonntag dieselben Bibellesungen auftauchen. Zeit, sich etwas Neues einfallen zu lassen, aber was?

Anna Magdalena, Bachs zweite Frau, ist eine professionelle Sopranistin und hilft ihm, die Noten für die wöchentlichen Kantaten zu schreiben und in verschiedenen Stimmen zu produzieren. Sie ist also eng in den Schreibprozess eingebunden und denkt mit ihrem Fachwissen gerne mit.

Ihre Freundin Dorothea Schamelius aus Naumburg kennt sie seit ihrer Kindheit in Zeitz. Auch ihr Mann, der Prediger Johann Martin Schamelius, schreibt häufig, allerdings über die Hintergründe und Inhalte aller lutherischen Kirchenlieder. Eine weitere überarbeitete Fassung seines Standardwerks, des Naumburgischen Gesangbuchs, erscheint regelmäßig. In diesem Jahr wird eine vollständig überarbeitete und verbesserte Fassung erscheinen, und Dorothea ist damit beschäftigt, die Korrekturfahnen zu korrigieren. Anlass ist, dass es jetzt, 1724, genau 200 Jahre her ist, dass Luther seine erste Reihe von Kirchenliedern schrieb und die drei ersten evangelischen Gesangbücher erschienen. Schamelius nimmt daher den Inhalt dieser ersten Ausgaben als Anhang in seinen neuen Evangelischen Lieder-Commentarius auf, der in diesem Jahr erscheinen soll.

Schamelius und auch Bach gehören zu den „Lieder-Freunden“, einer Gruppe von Theologen und Dichtern, die sich unter anderem für den Erhalt des alten lutherischen Liedgutes aus dem 16. und frühen 17. Dieses wurde im frühen 18. Jahrhundert von Kritikern bedroht, die der Meinung waren, dass die alten Lieder nun neuen Liedern mit moderneren Lehren weichen sollten. Außerdem ist die veraltete und schwierige Sprache für die Menschen nicht mehr leicht verständlich. Dem widersprechen die Lieder-Freunde ausdrücklich, denn gerade die alten Lieder sind als bewährte Lebensbegleiter für die Gläubigen so wertvoll. Oft bieten sie sogar mehr Trost als ein Bibeltext. Und wenn Menschen sie nicht mehr gut verstehen, sollten wir sie nicht wegwerfen, sondern besser erklären.

Zeit für eine List. Überlassen Sie das den Damen Bach und Schamelius!

Schauplatz:

Dorothea Schamelius wohnt eine Woche lang im Hause Bach, da sie die Produktion des neuesten Buches ihres Mannes in der Druckerei in Leipzig überwacht. Sie arbeitet jetzt an der Korrektur der Druckfahnen.

Anna Magdalena Bach ist damit beschäftigt, Teile der nächsten Kantate von Johann Sebastian auszuschreiben.

Dazwischen gibt es Zeit für Gemütlichkeit und …. um sich eine List auszudenken, um die alten Lieder besser zu erklären!

Kurzer Videoeindruck (auf Niederländisch)